Hohe Kalziumwerte im Blut können ein Zeichen für Sarkoidose sein: Fallbericht

Die Hyperkalzämie des Patienten wurde mit Steroiden und Kalium behandelt.

Hohe Kalziumwerte im Blut oder eine Hyperkalzämie können in seltenen Fällen ein Symptom einer Sarkoidose sein, wie ein Fallbericht aus Marokko zeigt.

Steroidmedikamente halfen, die Beschwerden eines Mannes mit schwerer Hyperkalzämie zu lindern. Die Hyperkalzämie war die wichtigste Komplikation seiner Lungensarkoidose, wie aus dem Bericht „Maligne Hyperkalzämie als Hinweis auf eine Lungensarkoidose“ hervorgeht, der in Cureus veröffentlicht wurde.

Sarkoidose, bei der sich Ansammlungen von Entzündungszellen, sogenannte Granulome, im Körpergewebe bilden, kann klinisch schwer zu erkennen sein. Die Erkrankung ist relativ selten und weist ein sehr unterschiedliches klinisches Erscheinungsbild auf, das andere Erkrankungen imitieren kann.

Hyperkalzämie beziehungsweise ein hoher Kalziumspiegel im Blut kann ein mögliches Zeichen für Sarkoidose sein. Die Diagnose einer Sarkoidose kann jedoch schwierig sein, wenn Hyperkalzämie das Hauptsymptom ist, da sich der Kalziumspiegel bei einer Vielzahl von Erkrankungen verändern kann.

In dem Fallbericht beschrieben die Forschenden den diagnostischen Prozess bei einem 77-jährigen Mann, dessen Hauptsymptom eine Hyperkalzämie war.

Untersuchungen zeigen Biomarker für Sarkoidose

Der Mann stellte sich mit einer „Bewusstseinsstörung“ in der Notaufnahme vor, schrieben die Forschenden. Es wurden ein beschleunigter Herzschlag, abnorme Lungengeräusche, die auf eine erschwerte Luftpassage hinweisen konnten, und eine mäßige Niereninsuffizienz festgestellt. Außerdem lag eine Hyperkalzämie vor, die zu Bewusstseinsverlust und Nierenproblemen führen kann.

Um den Kalziumspiegel und die damit verbundenen Beschwerden zu behandeln, erhielt der Mann eine Standardtherapie der Hyperkalzämie. Dazu gehörten intravenöse Flüssigkeit, Medikamente zur Steigerung der Urinproduktion und Pamidronat, ein Bisphosphonat, das zur Senkung des Kalziumspiegels im Blut beiträgt. Anschließend normalisierten sich sein Bewusstsein und sein Kalziumspiegel.

Der Mann unterzog sich einer Reihe bildgebender und laborchemischer Untersuchungen, damit die Ärztinnen und Ärzte die Ursache des Problems besser verstehen konnten.

Im Blut wurden zwei Biomarker gefunden, die mit Sarkoidose verbunden sind: ein erhöhter Spiegel des Angiotensin-konvertierenden Enzyms und eine Hypergammaglobulinämie, ein Zustand, bei dem das Immunsystem zu viele Antikörper produziert.

Die Bildgebung zeigte Anzeichen von Granulomen in der Lunge. Dies führte die Forschenden zu der Annahme, dass der Mann an Lungensarkoidose litt.

Die Ursache der Hyperkalzämie bei Sarkoidose ist nach Ansicht der Forschenden eine unangemessene Produktion von aktivem Vitamin D in den Granulomen. Vitamin D ist wichtig für die Kalziumaufnahme; wenn dieser Prozess verändert ist, kann der Kalziumspiegel ansteigen.

Die Behandlung dieses Problems „bleibt im Wesentlichen medizinisch“, schrieben die Forschenden. Zusätzlich zu den Standardbehandlungen der Hyperkalzämie können Steroide ein wichtiger Bestandteil der Behandlung einer sarkoidosebedingten Hyperkalzämie sein. Diese entzündungshemmenden Medikamente können dazu beitragen, die Kalziumaufnahme zu verringern und gleichzeitig die Aktivität des Enzyms zu hemmen, das eine übermäßige Produktion von Vitamin D in den Granulomen verursacht.

Der Mann begann mit der Einnahme von Steroiden sowie Kaliumpräparaten und Medikamenten zum Magenschutz. Seine Hyperkalzämie ging zurück.

„Dieser Fallbericht zeigt eine besondere Erscheinungsform der Sarkoidose, da eine maligne Hyperkalzämie nur selten die erste Manifestation ist“, schrieben die Forschenden. „Die Anwendung von Bisphosphonaten in Kombination mit der klassischen Behandlung der Hyperkalzämie durch Hyperdiurese [übermäßige Urinproduktion] und Kortikosteroide ist eine therapeutische Option bei schwerer Hyperkalzämie als Komplikation einer Sarkoidose.“

Quelle: https://sarcoidosisnews.com/news/high-blood-calcium-levels-sign-sarcoidosis-case-report/